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Verantwortung

Verantwortung… das klingt sehr verdächtig nach Schuldzuschreibung. Doch weit gefehlt. Verantwortung ist normalerweise, ähnlich wie Liebe, ein meist missverstandenes Wort. Das rührt daher, dass Verantwortung nicht mit unserem Verstand erfasst werden kann. Um tiefer auf die Bedeutung einzugehen, müssen wir uns von unserem Verstand trennen.

Unser Verstand will nämlich dauernd einordnen, bewerten, kategorisieren, verstehen. Natürlich, das ist ja auch die Aufgabe des Verstandes. Du bist aber nicht dein Verstand, sondern du hast ihn. Vielleicht hasst du ihn auch manchmal, aber das ist eine andere Geschichte.
Verantwortung ist deine Bereitschaft, der Schöpfer all deiner Erlebnisse zu sein. Auch solche Erlebnisse, welche dir nicht gefallen.

Ich könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen, das erfordert allerdings eine noch grössere Trennung von unserem Verstand: du bist der Schöpfer deines Erlebens und auch der Schöpfer des Geschehens selbst.

Ersteres ist unbestreitbar: nur Du entscheidest, was du erlebst. Du magst Unbehagen, Wut, Trauer, Zorn, Langeweile, Frust, Angst, Sorge, Scham, Verwunderung u.v.m. erleben. All das ist dein Erleben. Nur du erlebst es so, wie du es erlebst. Klar, es mag andere Menschen geben, die zur selben Zeit etwas ähnliches Erleben, aber dein eigenes Erleben ist intim, es gehört dir alleine.
Erlebst du etwas „Schönes“, bist du wahrscheinlich gerne bereit dafür die Verantwortung zu übernehmen. Gefällt dir aber etwas nicht, wird sich dein Verstand gegen jegliche Beteiligung oder Verantwortung sträuben. Du wehrst dich gegen die „schlechten“ Gefühle. Doch ob gut oder schlecht, das ist eine Bewertung die du selbst vornimmst. Das etwas passiert und in dir Gefühle auslöst, ist weder gut noch schlecht.

Hierzu eine kleine Geschichte: Der grösste Reichtum eines armer Bauern war ein einziger, starker Hengst. Eines Tages lief dieser Hengst weg. Die Leute im Dorf sagten: So ein Pech, so etwas Dummes! Der Bauer sagte darauf: Wer weiss das schon? Die Leute zeigten ihm den Vogel und gingen weg.
Ein paar Tage später kam der Hengst wieder zurück und brachte einige prächtige Wildpferde mit. Die Leute kamen wieder uns sagten: So ein Glück, ein Wunder!
Der Bauer erwiderte darauf: Wer weiss das schon? Die Leute verwunderten sich immer mehr über die Reaktion des Bauers. Unterdessen versuchte sich der Sohn des Bauern beim Einreiten der Wildpferde. Doch er stürzte schwer und brach sie Arme und Beine. Die Leute kamen wieder und sagten: Nein! So ein Pech! Worauf der Bauer erneut sagte: Wer weiss das schon?
Eine Woche später brach ein Krieg aus und die Armee rekrutierte junge Männer. Der Sohn des Bauern jedoch war für die Armee unbrauchbar….und so weiter ohne Ende.

Verantwortung ist weder ein bestimmtes Gefühl noch eine innere Haltung. Das kann damit einhergehen, doch solange es nicht von innen kommt, ist es „antrainiert“. Verantwortung ist dann eine Frage des guten Benehmens, der Ethik.

Doch Verantwortung ist etwas anderes. Verantwortung kommt aus uns heraus, ist an der Quelle unseres Seins. Du bist jederzeit für Dein Leben verantwortlich. Nicht, weil Du Verantwortung übernehmen musst oder solltest. Du bist verantwortlich, weil es eben so ist, einfach so. Es gehört zu unserem Menschsein, so wie unsere Freiheit. Die Frage ist lediglich, ob du das anerkennst, oder ob du dich davor drückst. Ob du weiterhin Opfer sein willst und den Umständen, anderen Menschen, dem Leben, Gott, die Verantwortung anlasten willst. Das ist nicht gut oder schlecht, es ist deine Entscheidung.
Ich möchte einfach, dass du weisst, was du tust. Wenn du Opfer sein willst ist das völlig in Ordnung. Sei dir aber auch bewusst, dass dies ein „Spiel“ ist, das du spielst. Häufig findest du auch Mitspieler, denn die meisten Menschen sind sehr in ihrem Verstand gefangen. Dieses Spiel hat die Konsequenz, dass du dich selbst gefangen hältst in deinem Verstand. Es bestärkt eine Haltung in dir (z.B. dass du Recht hast).
Aber mehr zum Opfer sein in meinem nächsten Newsletter.

Wenn Du bereit bist, Ursache für dein Erleben zu sein, verantwortlich zu sein, dann wirst du frei. Du wirst sehen, dass Verantwortung keine Bürde, sondern eine Befreiung ist.

Zu meiner zweiten Aussage: Du bist nicht nur für dein Erleben, sondern auch für das Geschehen selbst verantwortlich. Ich lasse diese Aussage hier so stehen und lasse sie wirken. Vielleicht kommt sie dir ab und zu in den Sinn, vor allem wenn etwas „Schlimmes“ geschehen ist. Dein Verstand wird keine Freude daran haben, doch ehrlich gesagt: das muss er auch nicht… 🙂

bis bald,

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